
Teilnehmer: Angelika und Claus
Vorbereitung:
Die Hase hatte uns bisher nicht gewollt! Eigentlich wollten wir diese Tour mit den Genussradlern fahren (2022) und
hatten alles perfekt geplant (einschließlich Zimmerreservierung). Doch plötzlich wurde ein 9-Euro-Ticket
auf den Markt geworfen mit der Folge, dass die Züge überfüllt waren und keine Räder mehr
mitnahmen. So wurde die Tour auf dieses Jahr verschoben und nochmal perfekt vorbereitet. Bei der
Kontrolle der Zugverbindungen stellte sich heraus, dass man von Meppen am Fronleichnams-Samstag nicht
wegkam, so wurden zu zweiten Mal die Reservierungen abgesagt. Ende April war das Wetter jedoch so
schön, dass Angelika und ich Lust bekamen, die Tour alleine zu fahren. Geplant war ja alles, es mussten nur
noch jeweils ein Doppelzimmer bestellt werden, das klappte natürlich problemlos.
Die Touren waren mit outdooractive erstellt worden und auf das
Smartphone übertragen.
Fr. 1.5.26 (62 km Route)
Das Wetter war wirklich prima: keine Wolke am Himmel, sommerlich warm, aber nicht zu heiß. Die Zugfahrt
nach Brackwede verlief völlig problemlos, alle Aufzüge funktionierten, lediglich die Toilette war mal wieder
gesperrt. Aber in Brackwede steigt man ja sozusagen in der Natur aus, so dass sich auch dieses Problem erledigte.
outdooractive hatte uns die schnellste Route herausgesucht, sie war nicht so toll, aber auch nicht schlecht.
Bei Halle war der Radweg plötzlich gesperrt, uns war auch keine Umleitung aufgefallen. Wir fanden
dann aber eine, wobei die Räder über die Schienen des "Haller Wilhelm" (der
auch gerade kam) geschoben werden mussten.
Man fährt auch ein ganzes Stück an der B68. Vor 25
Jahren waren wir schon mal die Strecke gefahren (2011), damals
hatten wir uns am Spiralo Teuto-Senne-Route orientiert. Dissen wird durchquert und Hilter, dahinter geht es bergan,
um den Teutoburger Wald zu überwinden. Komisch, mit E-Bike kommt einem das gar nicht mehr so besonders vor.
Die Abfahrt war trotzdem nett und irgendwann verließen wir auch die mittelmäßig
befahrene Kreisstraße und fuhren über einen schönen Waldweg nach Kloster Oesede. Hier
hatten wir mal sehr lecker Eis gegessen und freuten uns schon darauf. Doch dort mussten wir feststellen,
dass das gar nicht in Kloster Oesede, sondern in Oesede gewesen war. Doch das lag heute nicht auf unserer
Route. Aber Routen sind keine Vorschrift und so fuhren wir vom Kloster auf direktem Weg nach Oesede.
Die Eisdiele (San Remo) fanden wir auf Anhieb, es gab leckeres Spaghetti-Eis und einen Eis-Kaffee.
Frisch gestärkt fuhren wir zu unserer Route zurück, die nach einem leichten Anstieg entlang der
Autobahn-ähnlich ausgebauten B68 entlang führte. Da die Staße jedoch eine Baustelle war, konnten wir heute am
Feiertag ruhig und entspannt auf dem Radweg nebenher fahren, der eigentlich
gesperrt war. Irgendwann ging es aber wirklich nicht mehr
weiter, doch hier war eine Umleitung für Räder über Nahne ausgeschildert. Alle Achtung!
Als wir dann die B68 wieder verließen, führte uns ein sehr schöner Radweg über Friedhöfe, Parks
und ruhige Straßen bis in die Innenstadt vor den Dom.

Nicht weit davon war auch unser Hotel
(Bergmann Boarding), wo allerdings heute die Rezeption nicht besetzt war. Wir mussten also
die zugehörige Tiefgarage finden (um zwei Ecken), dort gab es einen Code-Automaten, aus dem bei
richtigem Code eine Schlüsselkarte herausfiel, mit der man sowohl die Tiefgarage als auch das Zimmer öffnen
konnte. Das klappte alles im Prinzip problemlos.
Da es noch nicht sehr spät war, genehmigten wir uns einen Mittagsschlaf und brachen dann zum Stadtrundgang
auf, im Hinterkopf auch immer die Suche nach einem netten Lokal zum Abendessen.
Über Dom mit Innen- und Kreuzgang-Besichtigung (keine Uhus mehr) und Theater gingen wir zum Herrenteich, von dort
auf einem Deich in den Norden der Innenstadt und zum Friedens-Rathaus und Marienkirche mit Markt. Durch die Hegerstr.
gingen wir zum Hegertor (das uns noch bekannt vorkam), hier bogen wir ab in die schöne Marienstraße. Inmitten
der schönen Fachwerhäuser entdeckten wir ein asiaisch-japanisches Fusion-Restaurant, wo es uns sehr gut
schmeckte.

Danach setzten wir unseren Rundgang fort bis hin zum Schloss, in dem die Universität beheimatet ist (wie in Bonn). Erstmals betraten wir auch den Schlossgarten, der hält aber keinem Vergleich mit dem Oldenburger Schlossgarten stand, den wir zwei Wochen vorher erkundet hatten. Vorbei am schönen Ledenhof gingen wir nun wieder zum Hotel und erholten uns ein wenig. Da wir noch zu wenig Schritte hatten und außerdem noch nicht wussten, wo wir morgen frühstücken sollten, klapperten wir noch die drei in der Innenstadt liegenden Bäckereien ab, eine sagte uns leidlich zu. Inzwischen war es auch schon dunkel, so dass wir die Augen nach schön angestrahlten Gebäuden offen hielten: Rathaus und Marienkirche sehr, Markt etwas, Dom etwas, Theater sehr gut und Schloss sowieso. Nun konnten wir beruhigt und gut schlafen.

Sa. 2.5.26 (63 km Route)
Ziemlich früh wurden wir wach, weil eine Schulter schmerzte, so ging's auch sehr früh zum Bäcker, der gerade
öffnete. Die Bedienung war sehr freundlich und schmierte uns Wunsch-Brötchen, trotzdem wäre uns ein Frühstück
mit mehr Auswahl lieber gewesen. Zurück beim Hotel packten wir unsere Sachen, beluden die Räder und erledigten
das Auschecken ohne Personal. Von hier verließen
die Innenstadt entlang des Herrenteichs nach Nordwesten, später entlang der Hase. Hier liegt auch
der Osnabrücker Hafen, in dem ein Stichkanal vom Mittellandkanal endet. Bei Büren wechselte die Route
von der Hase an den Stichkanal. Da hier sowieso alles eben ist, war uns das ziemlich egal. Und die
Beschaffenheit der Wege war bisher gut. Schließlich wurde das Kanal-Dreieck mit dem Mittellandkanal erreicht, der
an dieser Stelle auch überquert wurde. Die Hase fließt übrigens nebenan unter dem Mittellandkanal
hindurch. Wir wechselten nun wieder an die Hase und durchfuhren kurz danach Bramsche und Hesepe. Bei
Hesepe gibt es eine interessante Hasebrücke, weil unter ihr die Hase in einen ovalen Kessel fällt
(wie am Lippesee), immer ein Hingucker.

Jetzt mussten wir durch Schafgatter-Tore und der Weg wurde schlechter
(holprig gepflastert). Hinter dem Gatter ging es wieder links-hasisch weiter und der gepflasterte Weg war
auch etwas glatter. Doch zwischen uns und der Hase war nun ein Deich, der immer höher wurde, so dass man
überhaupt nicht sehen konnte, was sich dahinter befand. Eigentlich sollte hier auch ein See kommen. Als wir eine
Deichauffahrt sahen, fassten wir uns ein Herz und fuhren den Deich hoch: der ziemlich große Alfsee
lag zu unseren Füßen. Am Ende des Alfsees lenkte ein Straußenhof unsere Blicke auf sich. Kurz danach
trollten sich die Strauße alle in den Stall, offensichtlich bekamen sie jetzt ihr Mittagessen.
Auch bei uns regte sich nach dem nicht gerade üppigen Frühstück der Appetit. Glücklicherweise lag nun
Bersenbrück vor uns, hier wollten wir sowieso wg. einiger Sehenwürdigkeiten in den Ort fahren.
Die Sehenswürdigkeiten: eine Klosterpforte als Stadttor, Marktplatz und Rathaus (mit Hochzeit), Klosterkirche St.
Vicentius: eine ungewöhnliche zweischiffige Kirche, eine Historische Scheune und die Hasemühle. Der Imbiss:
Pizza meets Burger, wo wir beide (draußen) einen Salatteller mit leckerem Pizzabrot bekamen.
Dabei saßen wir gegenüber von einer Apotheke. Angelika hatte die Idee, dass eine Schmerzsalbe gut gegen
Schulterschmerzen helfen könne. Also frisch geschmiert und es wirkte tatsächlich!

Beim Verlassen der Stadt kommt man noch einmal durch die Klosterpforte zur Hasemühle. Dann folgte eine
lange und schöne Strecke über Land bis nach Quakenbrück. Hier durchquerten wir die Fußgängerzone,
wiel unser Hotel "Hagspihl" am nördlichen (und einzig erhaltenen) Stadttor, der "Hohen Pforte" lag.
Unser Prachtzimmer, ein Appartement mit Balkon konnte bezogen werden. Jetzt noch die Akkus für die
morgige längste Etappe an Strom bringen und schon lagen wir im Mittagsschlaf.
In Quakenbrück gibt es einen berühmten Rundgang, den "Poggenpad", der wurde nun begonnen. Eine von
insgesamt 30 Stationen lag gleich nebenan: der Weinhandel. Die Hohe Pforte gehört natürlich
auch dazu, Rathaus und Markt sowieso, aber auch ein schönes Finanzamt mit Skulptur "Der arme
Steuerzahler". Die Kirche St. Sylvester war in Renovierung, aber die Große Mühle (Wassermühle)
und viele andere schöne Gebäude wurden besichtigt oder wenigstens angesehen. Auch die Hase, die sich in
Quakenbrück in sieben Arme teilt, bildet wunderschöne Naturdenkmäler
wie etwa eine völlig unberührte
Insel zwischen Kleiner Hase und Kleiner Mühlenhase. Eigentlich
wollten wir jetzt (vor der zweiten Hälfte des Pads)
einen Tisch im Restaurant "Anno 1510" bestellen, doch innen war alles ausgebucht. Eine größere
Fläche (mit Markise) auf dem Markt wurde aber auch von dem 1510 betrieben, so nahmen wir dort Platz.
Die Temperaturen waren angenehm und eventueller Regen war überhaupt nicht in Sicht. Das Essen war auch
toll: Sahnehering und Pilz-Spinat-Auflauf.
Jetzt gingen wir die zweite Hälfte des Poggenpads: die große Kirche am Markt (St. Marien), eine besondere
Deichhase-Brücke (Jahnstr.). Von hier hatte man den Blick auf das Artland-Sportzentrum. Vor der
Artland-Halle war ein riesiger Menschenauflauf: hier startete gerade das letzte Saisonspiel der
Artland Dragons (Basketball) in der 2. Bundesliga, in der auch Paderborn spielt. Nur dass Paderborn
Drittletzter geworden ist und Quakenbrück Fünfter mit Playoff-Teilnahme. Für uns ging's weiter an
der Deichhase mit einem dreiteiligen Sperrwerk, denn die Deichhase verzweigt sich hier in drei weitere
Hasearme, einer davon der Bullengraben. Hier hat jedes Haus eine eigene Brücke und ist auch nur über
diese zugänglich. Von Norden vorbei an Haus Heye und Hoher Pforte kamen wir nun an unser Hotel.
Und auch hier konnten wir gut schlafen.
So. 3.5.26 (78 km Route)
Heute für unsere Königsetappe war aufregendes Wetter angesagt: Gewitter ab 14 Uhr, davor aber schön. Das
heißt: so früh wie möglich fahren. Zum Glück gab es Frühstück schon ab 7 Uhr, und das am Sonntag! Als
wir uns kurz nach 7 in den Frühstücksraum trauten, hatten die ersten bereits gefrühstückt –
Quakenbrück ist die Stadt der Frühaufsteher. Das Frühstück war relativ einfach (kein Rührei, kein Müsli),
so brauchten wir auch nicht lange und saßen bereits kurz nach 8 Uhr auf den Rädern mit vollgeladenen
Akkus. Heute wollten wir jede Schleife des Hase-Radwegs mitnehmen, daher die lange Strecke. Aber es hat sich
gelohnt, die Route war wunderschön. Zuerst fährt man aus Quakenbrück heraus zum Hauptarm der Hase,
bei Essen (Oldenburg) wechselt man über zur Lager Hase, aber kurz hinter dem Ort fließen beide zusammen.
Und das alles auf wunderbaren Radwegen! Weiter ging es immer in der Nähe der Hase, hier gibt es auch
romantische stillgelegte Altarme. Kurz vor Löningen gerieten wir jedoch auf einen Treibsandweg, der
Fahren nahezu unmöglich machte. Hier war auch keine Beschilderung, wahrscheinlich war die Route wegen des
schlechten Stücks geändert worden. Zum Glück war es nur 700 m lang und bei der nächsten Hasebrücke
kamen wir wieder auf befestigte Wege. Bis hinter Löningen fährt man nun direkt an der Hase entlang,
dabei auch zwischen Fluss und Altarm. Nahezu jede Hasebrücke wurde überfahren, insgesamt eine wunderschöne
Strecke.

In Herzlake liegt das Restaurant "Alter Hase" mit Biergarten direkt an der Hase, eine tolle Lage mit
passendem Namen. Bis Haselünne geht es nun wieder durch die schöne Flusslandschaft (mit Altarmen).
Auf einem Rastplatz am Lager Bach legten wir eine Rast mit zweitem Frühstück ein, schließlich
lagen wir gut in der Zeit. Eine Folge davon, dass wir heute überwiegend mit der zweitschwächsten
Unterstützung gefahren waren (sonst eigentlich immer Eco).
In Haselünne macht man erst mal einen Abstecher zum Haselünner See, an dem schon reichlich Betrieb war.
Am Ortsende war immer noch die Boots-Einsetzstelle, von der wir 2002 mit Paddelbooten
losgefahren waren (auch die Aussetzstelle haben wir wiedergefunden).
Hinter Haselünne ging es wieder über Hasebrücken hin und her, bis
wir bei Bockeloh an einer Brücke auf besondere
Sehenwürdigkeiten stießen: die Propsteikirche St. Vitus, die älteste
Kirche des Emslands (über 1000 Jahre alt),
eine historische Schule, ein historisches Gasthaus und der Otto-Pankoke-Malerweg. Für letzteren hatten wir
keine Zeit, aber nach Gewitter sah es auch gerade noch nicht aus.
Kurz vor Meppen fährt man noch einmal ein längeres Stück direkt an der Hase, die inzwischen eine
beträchtliche Breite aufweist und auch immer wieder Altarme hat. In die Innenstadt, die von Bastionen
mit Festungswall und Stadtgraben umgeben ist, gelangt man über die Hase-Hubbrücke, die über vier Pfeiler
angehoben werden kann. In unserem Hotel Schmidt am Markt stellten wir unser Gepäck ab, brachten
die Räder in eine Fahradgarage, drehten eine erste kleine Runde und genehmigten uns für die
erfolgreiche trockene Ankunft einen großen Eisbecher.

Ein weiterer kleiner Spaziergang über "Im Sack", den westlichen Festungswall und die Arenbergische Rentei führte uns wieder zum Hotel. Der Himmel hatte sich inzwischen zwar fast zugezogen, ein Gewitter war aber nicht in Sicht. Nun konnten wir auch das Zimmer beziehen und hatten wieder Zeit für einen Mittagsschlaf.

Als wir aufwachten, hatte es bereits einen Schauer gegeben: wenn wir noch einen ausführlichen Stadtrundgang machen wollten, dann jetzt sofort! Schnell noch einen Tisch reserviert, denn das Hotel hat ein hervorragendes Restaurant. Dann gingen wir als erste in die Windhorst-Gymnasialkirche, dann weiter zum östlichen Festungswall. Über den Schülerwiesensteg überquerten wir die Hase. Von dieser Brücke hat man einen wunderbaren Blick auf die Höltingmühle, die auf dem Zusammenfluss von Hase und Kanal steht. An der Hase entlang gingen wir dann zur Koppelschleuse und dem Kunstzentrum an der Schleuse. Hier am weitest entfenten Punkt begann es zu tröpfeln, aber noch sanft. Die eindrucksvolle "Alte Allee" führte zum Dortmund-Ems-Kanal, an dem wir zur Innenstadt zurück gingen. Da der Regen immer noch sanft war, begingen wir noch den südöstlichen Festungswall. Das war aber ein Fehler, denn jetzt goss es richtig los. Schnell zum Hotel und noch mal umziehen, dann runter zum letzten Dinner dieser Reise. Heute war Spargel angesagt, einmal mit Lachs, einmal mit Krabben und Salat, alles perfekt zubereitet. Angesichts des Wetters verbrachten wir den Rest des Abends auf dem Zimmer. Morgen für die Fahrt zum Bahnhof sollte ea allerdings wieder trocken sein.

Mo. 4.5.26 (3 km)
Am Bahnhof warteten wir auf den Regionalexpress von Emden nach Münster: er war sehr pünktlich und nicht sehr voll. Selbst eine Verspätung, die er sich an einer Baustelle einfing, holte er wieder auf. Und in Münster konnten wir sogar auf dem selben Bahnsteig in den gegenüber stehenden Zug nach Paderborn umsteigen, so wurde es eine völlig entspannte Zugfahrt. Und kurz nach 12 Uhr kamen wir pünktlich an. Zu Mittag gab es etwas vom Vietnamesen (zuhause) inklusive Mittagsschlaf.

Fazit:
Der Hase-Radweg wäre sicher auch mit allen Genussradler sehr schön gewesen, doch eine dritte Planung
und Absage wollten wir nicht riskieren. Der Radweg besticht durch wunderschöne Routen enteder entlang
des Flusses oder durch schöne Flussauen und Wälder. Die Hase weist auch überraschend viele romantische
Altarme auf. Es gibt nicht viele Städte an der Hase, aber diese sind sehr sehenswert: Osnabrück bei
der Quelle, Bersenbrück und das niedliche Quakenbrück. Und das schöne Meppen gehört sowohl zur Hase
als auch zur Ems.
