Europaradweg Maas-Route von Rotterdam bis Liège – August 2026

Selbstorganisierte Radtour mit Zuganfahrt nach Rotterdam und Zugrückreise von Liège, übernachtet wurde in Hotels

Hompesche Molen mit drei Radlern

Teilnehmer: Michaela und Otto, Angelika und Claus

Vorbereitung:
Im gerade erreichten Ruhestand erstmals eine größere Radreise anzutreten war der Wunsch einer Teilnehmerin. Und mit der Maas-Route waren alle sofort einverstanden, zumal es sich um einen Europaradweg handelt. Bei der Vorbereitung half auch, dass frühere Nachbarn vor vier Jahren fast die gleiche Tour gefahren waren: von Dordrecht bis Maastricht. Wir wollten den gesamten niederländischen Abschnitt befahren, also in Rotterdam starten. Und da Liège (Lüttich) nur ca. 30 km von Masstricht entfernt liegt, nahmen wir auch diese belgische Stadt dazu. Die Maas-Route geht von dort noch viel weiter, der größte Teil liegt sogar in Frankreich. Doch wenn man die gesamte Maas-Route fahren will, beginnt man besser bei der Quelle, denn in Frankreich und Belgien ist es durchaus bergig.
Der nächste Punkt ist, die Übernachtungsorte zu finden. Sie sollen attraktiv bzgl. Sehenswertem und Kulinarischem sein. Und die Etappen sollten nicht zu groß sein, da es auch unterwegs viel zum Anschauen gibt. Hier war die Planung der Nachbarn eine große Hilfe. Etwa ein viertel Jahr vor der Reise buchten wir die Zimmer, was völlig problemlos verlief, da Holländer bekanntlich keine Hotelzimmer benötigen. Dann wurden noch Fahrkarten für die Bahnan- und -abreise gekauft, was ein Fehler war. Denn täglich gab es neue Bahn-Schreckensmeldungen, Züge fielen aus oder fuhren ganz anders. Zum Glück war jeweils ein Teil der Zugreise im Ausland.
Die gesamte Route wurde als gpx-Datei heruntergeladen. Die Etappen wurden mit outdooractive erstellt und auf Smartphone übertragen. Auch Stadtrundgänge wurden geplant und dankbar angenommen. Sehenwürdigkeiten wurden als Wegpunkte hinzugefügt.

Mi. 12.8.26
Leider musste Angelika heute Abend zum Notarzt und musste den ersten Teil der Tour absagen. Sie reiste eine Woche später nach Venlo und begleitete uns per Bahn. So waren wir die erste Hälfte der Reise nur zu dritt.

Do. 13.8.26 (Fahrrad-km: Anfahrt zum Bahnhof Paderborn und 2,2 km vom Bahnhof zum Hotel in Rotterdam)
Auf dem Paderborner Bahnhof erwartete uns das übliche Deutsche-Bahn-Chaos: der Bahnsteig war voll von Menschen, deren Züge ausgefallen, verspätet oder verlegt worden waren. Unter anderen warteten sogar zwei, die schon bei uns Genussradlern mitgefahren waren, aber jetzt ganz andere Ziele im Norden oder Westen hatten. Wir nahmen dann alle eine stark verspätete Regionalbahn nach Hamm, die aber dort ihre Weiterfahrt nach Münster einstellte, weil sie zu viel Verspätung hatte. Nun, wir wollten nur bis Hamm und konnten hier eine Stunde später als geplant in einen Regionalexpress nach Venlo steigen. Dieser von vornherein kritische Zug war weitgehend pünktlich und handelte sich erst kurz vor Venlo (aber noch auf der deutschen Seite) eine kräftige Verspätung ein. Das ließ uns völlig kalt, denn in den Niederlanden gibt es einen Halbstundentakt und die Züge sind pünktlich. Ein Umstieg in Eindhoven (gleicher Bahnsteig, zwei Minuten) verlief völlig problemlos. In Rotterdam wird die Maas durch einen Tunnel unterquert und man steigt mitten im Zentrum aus. Die zwei Kilometer bis zum Hotel über breite, geteilte Radwege fuhren sich gut. Beeinträchtigt wurde die kurze Fahrt nur dadurch, dass in den Niederlanden alle einspurigen Fahrzeuge den Radweg benutzen dürfen, also auch Fatbikes, Mopeds und Motorräder.

Terrasse Hotel Floats

Unser Hotel war auf dem Wasser gebaut, ein Teil (die Terrasse) schwamm sogar. Nach dem Beziehen der Zimmer trafen wir uns auf dieser Terrasse, probierten, wie holländisches Bier schmeckt, und genossen die schöne, dreidimensionale Aussicht. Die Wilhelmina von der Wilhelmina-Pier lag direkt vor unserer Nase. Die Räder wollten wir nicht auf einem (offenen) Hotel-Außengang lassen, verbarrikadierten sie aber einbruchsicher vor dem Hotel.
Jetzt war der Stadtrundgang angesagt. Am Wijnhaven entlang ging es zum Oude Haven, wo historische Kähne und Kräne zu bestaunen waren. Hier hat man bereits den Blick auf die ungewöhnlichste Sehenswürdigkeit: die Kubus-Häuser.

Kubus-Häuser

Man kann mitten zwischen den Häusern durchgehen und eins war sogar zu besichtigen. Wir hätten hier sogar wohnen können, denn in den Kubushäusern gibt es auch ein Hostel. Unter den Kuben sind senkrechte Unterbauten mit Geschäften und Gastronomie. Verlässt man die Kubushäuser, steht man vor der nächsten ungewöhnlichen Sehenswürdigkeit, der Markthalle. Nicht nur ihre Größe sowie die üblichen Markt- und Gastronomiestände beeindrucken. Die Innenwand und Decke ziert ein 11000 qm großes Kunstwerk. Und in den Wänden der Halle sind ab der ersten Etage Wohnungen. Damit man trotzdem ruhig schlafen kann, schließt die Markthalle um 20 Uhr. Natürlich wollten wir in der Markthalle essen, so aßen wir an einem koreanischen Stand und holten uns dazu ein Bier von einem Faxe-Stand. Das war zwar ein wenig Imbiss-artig, aber in so einem außergewöhnlichen Gebäude muss man mal gegessen haben.

Markthalle innen

Unseren Stadtrundgang setzten wir nach Schließung über die Kraneshipbrug, Witte de Withstraat (Kneipenviertel), Schiedamsplein und Erasmusbrug ("Schwan") fort. Gegenüber lag ein riesiges Aida-Kreuzfahrtschiff. Am Willemsplein unter der Brücke wollten wir eigentlich einkehren, doch da keine Bedienung kam, machten wir und auf den Rückweg zum Hotel über die Boompjeskade, an der viele Flusskreuzfahrtschiffe ankerten.

Erasmusbrug

Auf der schwimmenden Terrasse unseres Hotels waren noch Plätze frei, so gab es noch ein kühles Abschlussbier. Und in unseren Zimmern mit Klimaanlage konnten wir auch wunderbar schlafen.

Fr. 14.8.26 (61 km Route)
Heute sollte der heißeste Tag der gesamten Tour sein. Er begann erst mal mit einem richtig guten Frühstück mit Rührei und allem, was dazu gehört. Unsere Räder standen natürlich noch unversehrt da, denn wir hatten ja einen Sicherheitsbeauftragten mit. Nach dem Bepacken ging es auf dem schnellste Weg an die Maas. Doch auf der Route aus Rotterdam heraus müssen viele kleine Häfen umfahren werden, so dass es erstmal etwas zäh losging. Man passiert dabei auch den Euromast, das zweithöchste Gebäude von Rotterdam (und den Niederlanden). An der Spitze schraubt sich eine rotierende Gondel auf 180 Meter hoch. In der Plattform darunter befindet sich ein Panorama-Restaurant.
Der erste sehenswerte Ort hinter Rotterdam ist Schiedam mit Klappbrücken, Jenever-Museum, Sint-Jan-De-Doperkerk (?), Bibliothek Korenbeurs und Windmühle De Drie Koornbloemen.

Schiedam, Klappbrücke Vlaardingen, Waage

Als nächster schöner Ort schließt sich Vlaardingen an mit Visbank und einem originellen Marktplatz mit Grote Kerk, Waage und Stadhuis. Bei der großen Hitze gingen uns hier fast schon die Getränke aus und es wurde nachgekauft. Dann ging es langsam wieder zurück an die Maas, wo kein Baum und kein Strauch die Sonne abhielt. Einen Abstecher nach Maassluis hinein schenkten wir uns daher. Dafür hatten wir Hoffnung, die Hoeksveer in Hoek van Holland bereits um 12:30 Uhr zu erreichen (die Fähre fährt nur dreimal am Tag). Vorher kamen wir aber noch an der Maeslantkering vorbei, zwei riesige drehbare Klapptore, mit denen die ca. 400 Meter breite Maas mit einem Zug komplett gegenüber der Nordsee verschlossen werden kann. Heute war das nicht nötig.

Maeslantkering

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass die derzeitige Trockenheit an Rhein, Weser usw. sich auf die Maas in keiner Weise ausgewirkt hatte: die Maas hatte ausreichend Wasser und an keiner Stelle trat zusätzliches Ufer hervor.
Dann kamen wir an der Fähre an, die zwar schlecht ausgeschildert war, aber auf Nachfragen doch gut identifizierbar war: sie war nämlich noch gar nicht angekommen. Mit etwas Verspätung musste noch die ganze Schiffsladung Radfahrer und Fußgänger auf der schmalen Mole an der bereits großen Warteschlange vorbei. Doch alles klappte und trotz Hitze suchten wir uns alle einen Platz an Deck. Denn die Fährfahrt war eine wunderbare Hafenrundfahrt mit tollen Anlagen, Containerschiffen und gewaltigen Kränen. Ein nicht erwarteter Höhepunkt war die nahe Vorbeifahrt an einer dicht belagerten Robbenbank.

Robbenbank

Das Fährziel lag weit hinten in Maasvlakte. Nach dem Verlassen der Fähre standen wir jedoch vor einem Problem: wir waren total eingezäunt. Zu mehreren versuchten wir auf beiden Seiten ein Tor zu öffnen, was jedoch nicht gelang. Ein findiger Holländer fand jedoch dann den Trick: ein einem Tor konnte man durch einen Hebel jemanden anrufen, der einem das Tor öffnete. Endlich konnte der Rest der Etappe beginnen. Wir erreichten über den Prinses Amaliaviaduct den Prinses Maximaweg, also eine Prinzessinnenroute. Doch es handelt sich um eine ziemliche Mondlandschaft mit einer 62 m hohen Halde und etlichen Vogelschutzgebieten mit Beobachtungsstationen.
Im Schatten auf der Terrasse des Lokals "De Duinrand" erholten wir uns erstmal von den Strapazen, denn bis zum Zielort Brielle waren es nur noch etwa zehn Kilometer. Bei der Weiterfahrt gab es auch die ersten natürliche Schatten seit langem. Es folgte noch ein schöner Aussichtpunkt sowie De Stenen Baak (Steinerner Leuchtturm), dann rollten wir schon nach Brielle hinein. Brielle ist komplett von Bastionen in einem breiten Wassergraben umgeben. Zusätzlich gibt es noch zwei Wasserarme als Häfen und Wasserwege in der Innenstadt. An einem davon rollten wir sehr schön in die Stadt und zu unserem Hotel Atlas. Unsere beiden Zimmer lagen unter dem Dach und hatten auch keine Klimaanlagen. Stattdessen liefen drei laute Ventilatoren. So verabredeten wir uns recht bald zu einem Rundgang und zum Essen. Das Restaurant-Finden war sehr einfach, denn Hertog Jan wies uns den Weg: gleich um die Ecke war der Marktplatz. Und das alte Rathaus "De Hoofdwacht" war jetzt ein Restaurant, auf dessen Terrasse man vorzüglich im Schatten sitzt. Hier gab es Hertog Jan mit Flammkuchen sowie Shrimps-Salat mit Fritten, alles sehr lecker.

Windmühle ‘t Vliegend Hert Brielle, De Hoofdwacht

Gut gegessen und getrunken begann nun tatsächlich der Rundweg, zunächst über die Bastionen im Osten. Drei der Bastionen sind sogar richtige Inseln mit Brückenzugängen. Auf Bastion I (Nordost) steht die Windmühle 't Vliegend Hert, auf Bastion II das Kruishuisbolwerk. Bastion IX besitzt einen erhöhten Aussichtsunkt und davor eine hölzerne Nachbildung des Noordpoorts. Von der Westseite (Langepoort) gingen wir wieder in die Innenstadt, vorbei an der gewaltigen Sint-Catharijnekerk. Nun standen wir wieder an "De Hoofdwacht" und die angenehmen Temperaturen luden noch auf ein Abschlussbier ein.
Schlafen war allerdings heute Nacht schwierig, erstens die hohen Temperaturen ohne Klimaanlage und zweitens gilt auch in Holland: Freitag ist der neue Samstag, d. h. es war laut.

Sa. 15.8.26 (66 km Route)
Gegen Morgen war doch noch ein erlösender Schauer gekommen, so würden die Temperaturen heute nicht mehr so hoch steigen. Das Frühstück war in Ordnung, wenn auch nicht so gut wie in Rotterdam. Und Michaela und Otto hatten auch ihre Räder aufgeladen, da der Fahrradplatz (draußen) über Steckdosen verfügte. Die heutige Etappe sollte etwas über 60 km betragen. Zunächst ging es sehr schön entlang einem der beiden Innenstadtkanäle aus Brielle heraus, auch an der Bockwindmühle 't Vliegend Hert vorbei. Der Ort Heenvliet lud als Erster zum Anhalten ein. Das Slot Heenvliet war zwar nicht zugänglich, dafür der romantische Schlosspark sowie der idyllisch gestaltete Marktplatz. Kurz danach kamen wir an die Oude Maas, die wir ein längeres Stück begleiteten. Für schwimmende Häuser machten wir einen Abstecher nach Carnisselande, doch schwimmende Häuser kommen einem in Holland völlig normal vor. Kurz dahinter liegt der künstlich aufgeschüttete Maasheuvel (25 Meter hoch) mit wunderbarer Aussicht auf Oude Maas.

Maasheuvel mit Kunst

Der/die Letzte von uns war gerade beim Abstieg, da krachte es sehr laut direkt neben uns: ein Gewitter hatte sich unbemerkt herangeschlichen mit einem Einschlag ganz nah. In Panik suchten wir einen Schutz in der Nähe, doch es boten sich nur Bäume an. So schnell wie das Gewitter gekommen war, war es auch schon wieder vorbei. Der nicht weit entfernte historische Brückenkopf Bruggenhoofd Barendrechtse Brug konnte bereits wieder mit Sonne besichtigt werden.
Direkt vor dem Brückenkopf wurden wir wieder einmal überrascht: der Freizeitpark Vredepolder wird von einem Modellzug mit einer kleinen V200 der Deutschen Bundesbahn befahren und kann sogar etliche Personen mitnehmen.

Modellzug mit V200-Lok

Bei Putter wir die Oude Maas per Fähre überquert. An der Anlegestelle auf der anderen Seite fiel uns ein schönes Hafenlokal mit wunderbarer Aussicht auf. Falls sie alkoholfreies Weizen hätten, würden wir hier gerne einkehren. Und sie hatten es! Mit toller Aussicht auf den regen Schiffsverkehr genossen wir die angenehmen Temperaturen. Am Ortsende von Puttershoek stand dann noch die schöne Korenmolen De Lelie, aber auch der nachfolgende Ort 's Gravendeel (letzter vor Dordrecht) hatte mit "Het Vliegend Hert" eine Windmühle zu bieten.

Einfahrt Kiltunnel

Steile Treppe zum Bett Die Einfahrt nach Dordrecht (älteste Stadt der Niederlande) war ungewöhnlich: zuerst wurde die über 200 Meter breite Dordsche Kil durch einen Tunnel unterquert, dann führt eine bequeme Fahrradbrücke über die Autobahn A16. Der Rest waren schöne Parkstrecken bis zur Innenstadt, wo sich Straßenbegleitung nicht mehr vermeiden lässt. Leider machte kurz vor unserem Hotel (Stadsklooster) mein Handy-Akku schlapp, so dass wir etwas suchen mussten. Die Anmeldung dauerte lange, dafür hatten die Zimmer Klimaanlage sowie zwei Stockwerke mit steiler Treppe und Bett oben. Auch die Räder konnten sicher im verschlossenen Innenhof abgestellt werden.
Unser üblicher Rundgang ging über Vriesestraat und Statenplein zur Hofstraat, die von sehr schmalen Häusern gesäumt wird. Der Hof (Platz) wirkte eher düster, ist aber ein Kulturzentrum. Viel belebter ist es an der Voorstraat und am Scheffersplein. Wir guckten nun nach einem Restaurant. Vor dem "De Beren" sprachen uns Restaurantgäste an, betonten das gute Essen und die deutsche Speisekarte. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Und das Essen war wirklich hervorragend (u. a. Spaghetti mit Scampi). Beim Verdauungsspaziergang gab es immer noch viel zu sehen: die Visbrug, das schöne Stadhuis, das komplett über den Voorstraathaven reicht, und von der Lombardbrug der Blick auf das Gemälde De Grachtwacht.

Dordrecht, Stadhuis

Fast an der Oude Maas liegt die gewaltige Grote Kerke. Zur Turmbesteigung war es leider schon zu spät. Weiter ging es zum Nieuwe Haven, bevor wir unsere Schritte über die Lange Ijzerenbrug wieder Richtung Hotel lenkten. Ein Abschlussbier mussten wir heute bei einem Italiener trinken, da in unserem Kloster die Bar bereits geschlossen hatte.

So. 16.8.26 (82 km Route)

GroothoofdspoortSt. Peter Recklinghausen In der Nacht hatte ich noch meinen Fahrradakku aufgeladen, so dass wir alle für die heutige längere Etappe gerüstet waren. Das Frühstück war ebenfalls in Ordnung und wir konnten auch eine Kleinigkeit mitnehmen. So gut wie wir nach Dordrecht hinein gefahren waren konnten wir auch wieder hinaus fahren. Durch die noch ruhige Fußgängerzone radelten wir bei angenehmen Temperaturen zum Wolwevershaven, dort liegen Patricierhuis, Damiatebrug und das schöne Groothoofdspoort. Von der Boombrug hatten wir noch mal einen schönen Blick auf den Wijnhaven. Auch der Aussichtspunkt Prins Clausbrug wurde noch besucht, alles Orte, die wir gestern nicht mehr zu Fuß erreichen konnten. Bevor wir die Innenstadt verließen, zog die Molen Kyck over den Dyck unsere Blicke an. Über weitere Vororte waren wir dann in der Natur angekommen.

Fähre Kop van 't Land

Über die Fähre Kop van 't Land gelangten wir in den Nationalpark De Biesbosch, der hier durchquert wurde und an dessen Rand wir noch lange entlang radelten. Er besteht aus unberührter Natur und bestimmt zu mehr als der Hälfte aus Wasser (-Oberfäche). Eine winzige Fahrradfähre brachte uns über das Steurgat.

Im Nationalpark De Biesbosch

Entlang der Bakkerskil steuerten wir den nächsten Höhepunkt an: das Fort Werk aan de Bakkerskil. Ein echtes Fort auf einer künstlich aufgeschütteten Insel, heute Gastronomie und Unterkunft. Wir genossen die Gastronomie und stiegen dem Fort aufs Dach. Da Holland ansonsten sehr flach ist, kann man von solchen Erhebungen immer weit sehen.
Vor Sleuwijk war eine Autobahnunterführung ohne Umleitungsempfehlung gesperrt, so dass wir uns entschlossen, die Räder ohne Gepäck über eine hohe Betonschwelle zu heben. Das machten auch andere, aber wir sahen, dass hier Bio-Biker doch im Vorteil sind. Ein loses Schutzblech konnte glücklicherweise ohne Bruch wieder eingehängt werden. Vorbei an einem Naturschutzgebiet kamen wir jetzt in das schöne Woudrichem. Vor dem historischen Stadtkern liegt auch der historische Hafen. In der kleinen Stadt sind eine Windmühle, der Waterpoort und die Martinuskerk zu bestaunen, bevor man die Stadt über die Voet-fietsveer Woudrichem wieder verlässt. Keine 400 Meter weiter wartet Slot Loevestein, bei dem am heutigen Sonntag ein unheimlicher Rummel war. Wir beließen es bei der Außenbesichtigung und fuhren durch eine schöne Landschaft entlang der Afgedamde Maas zur nächsten Fähre (Nederhemert). Diese stand jedoch (ohne Grund und Hinweis) still. So mussten wir über einen Umweg entlang des Dode Maasarm zur nächsten Fähre über die Bergsche Maas fahren. Wir verpassten dadurch zwar das Kasteel Nederhemert, würden aber durch eine Windmühle (Gebr. Remmerde) getröstet. Die Fähre Bern über die Bergsche Maas hatte normalen Betrieb und war sogar umsonst. Jetzt waren es nur noch zwei Kilometer bis Heusden, unserem heutigen Zielort. Unser Hotel Verdwaalde Koogel liegt am Vismarkt. Der war heute wegen einer Sonntagsveranstaltung gesperrt, aber darüber schieben war möglich. Die Zimmer hatten eine mobile Klimaanlage für angenehme Temperaturen, die Fahrradgarage war allerdings weit vom Hotel entfernt.
Nachdem wir das alles erledigt hatten, regte sich der Hunger. Und unser Hotel war ja schließlich auch ein Restaurant, deshalb hatten wir nach der Ankunft gleich einen Tisch auf der Außenterrasse unter einer riesigen Markise bestellt. Das Essen war sehr gut (u. a. Thunfischsteak und Brand-Pils), dazu gab es einen wunderbaren Ausblick auf den Vismarkt und Havenpoort.
Unser Rundgang führte uns zuerst zum Kasteel van Heusden, das allerdings nur noch eine (sehenswerte) Ruine ist. Über das Stadttor Wijksche Poort gelangten wir zu den Bastionen, von denen auch Heusden komplett umgeben ist. Hier kann man sogar unterhalb der Bastionen gehen, so gelangten wir zum Stadshaven, der direkt beim Vismarkt liegt. Über eine schneeweiße Klappbrücke kommt man zu Molen I und II (beides Bockwindmühlen). An Molen III waren wir bei der Ankunft bereits entlang geradelt. Vom Veerpoort am schönen Rijksvluchthaven gingen wir zu unserem Verdwaalde Koogel, nicht ohne vorher noch einen Blick durch den Havenpoort zu werfen, wo sich Klappbrücke und Molen II im Stadshaven spiegeln.

Heusden, Molen I, II und Klappbrücke Vor dem Verdwaalde Kooge

Ganz vorne auf der Verdwaalde Koogel-Terrasse befanden sich freie Sofas, auf denen wir unser letztes Brand-Pils genießen konnten.

Mo. 17.8.26 (61 km Route)
In einem Hotel mit gutem Restaurant gibt es auch immer ein gutes Frühstück, so war es auch hier. Der Nachteil war, dass es draußen regnete. So frühstückten wir sehr lange und warteten dann noch ein bisschen, bis es weitgehend aufgehört hatte. Und die Räder mussten schließlich auch von weit her geholt werden.
Aus Heusden fuhren wir genauso schön heraus wie wir herein gekommen, die Fähre nach zwei Kilometern brauchten wir heute jedoch nicht zu nehmen, denn wir blieben auf der Südseite der Bergsche Maas. Auf dem Gelände des ehemaligen Slot Haverleij war eine sehr geschlossene Siedlung errichtet worden, ein künstlerisches Modell am Eingang zeugte von dem gesamten Umfang. Gleich gegenüber befindet sich die Henriettesluis, die erstens einen schönen Schleusenblick bietet und die zweitens über eine Hubbrücke überfahren wird. Über die eindrucksvolle Prinses Irene Brigade Brug überquerten wir nun die Maas. Jetzt waren wir wieder auf der nördlichen Maasseite. Der nächste sehenswerte Ort war Kerkdriel, den wir auch schon mal als Übernachtungsort vorgesehen hatten. Hier sieht man von weitem eine Windmühle (Sara Catharina), die nicht direkt am Weg lag. Doch vieles lag direkt an der Route: Het Teisterbant, die Sint Martinskerk und auf einem gemütlichen Platz das Oude Gemeentehuis. Auf einer der Bänke davor legten wir eine Rast ein und verzehrten unsere mitgebrachten Brötchen.

Kerkdriel, Oude Gemeentehuis

Nach Norden verließen wir dann den Ort. Bei Alem ging es mit einer Fähre wieder auf die südliche Maasseite. Ein weiterer niedlicher Ort war Lith, in dem wir die Sint-Lambertuskerk besuchten, die zumindest vom Eingang her zu besichtigen ist. Am Ortsende wartete mit der Molen Zeldenrust eine weitere große Windmühle auf uns. Im nachfolgenden Lithoijen gab es einen guten Bäcker mit einer schönen Außenterrasse, bei dem wir nicht vorbei fahren konnten. Dabei beobachteten wir ein perfekt ausgerüstetes Pärchen auf zwei Dreirad-Liegerädern, jeweils mit Packtaschen und Anhänger, höchstwahrscheinlich also mit Zelt, und wohl auf der kompletten Maas-Route unterwegs. Für uns ging's nun wieder auf die andere Maasseite, diesmal mit der Fähre Oijen. Jetzt musste nur noch der See De Goudenham, der aus einen Maas-Altarm entstanden ist, umrundet weren, schon lag unser Zielort Appeltern vor uns. Eine halbe Stunde zu früh kamen wir bei unserer Unterkunft BnB Thetuin an. Doch noch als wir den Eingang suchten, kam die nette Wirtin an und zeigte uns die Räumlichkeiten (große Zimmer und ein großer Aufenthaltsraum mit Küche) sowie den Fahrradraum. Im wunderschönen Garten waren auch tolle Sitzplätze, doch leider war heute das Wetter noch nicht dafür geeignet. Da das Thetuin nur durch die Straße vom See Nieuwe Wetering getrennt war, entschlossen wir uns zu einem Spaziergang entlang der anderen Seeseite zum Ort Appeltern, um dort vor Ort drei Pizzen zu bestellen, die uns dann in die Unterkunft gebracht würden, wie uns die Wirtin versicherte. Denn da heute Montag war und in dem recht kleinen Ort die Restaurant-Dichte auch nur gering war, hatte das andere Restaurant heute Ruhetag. Und schon bald nach der Rückkehr vom Spaziergang kam der Pizzabote. Gekühlte Getränke (Hertog Jan) waren im Haus vorhanden, so wurde es ein durchaus leckeres Abendessen.

Pizza im Thetuin

Ein anschließender Stadtrundgang erübrigte sich jedoch und wir durchplünderten den Spieleschrank. Der Wunsch, ein Puzzle zu legen, kam allgemein an. Das kleinste Puzzle hatte jedoch 1000 Teile, so dass wir bis zum müde werden nur kleine zusammenhängende Flächen schafften. Eine Klimaanlage war hier nicht erforderlich, wir konnten bei angenehmen Temperaturen gut schlafen.

Di. 18.8.26 (46 km Route)
Im Thetuin gab es ein Super-Frühstück, das beste Frühstück der ganzen Reise. Alles frisch zubereitet, jeder Wunsch wurde erfüllt und es gab Extra-Tütchen für die Mitnahme eines kleinen Imbisses.

Frühstück im Thetuin

Heute stand die Fahrt nach Cuijk auf dem Programm, doch leider regnete es auch noch nach dem Frühstück. So radelten wir anfangs im Regen los, der langsam in Niesel überging. Die Fähre Megen brachte uns wieder einmal über die Maas, dabei kam aber schon die Sonne heraus. Direkt hinter Megen war eine große Radweg-Umleitung ausgeschildert, eigentlich sollten wir hier auf einem Deich entlang eines Maas-Altarms entlang fahren. Als wir kurz hinter Haren wieder auf die richtige Route zurück kehrten, sahen wir die Ursache: der gesamte Deich wurde um ca. einen Meter erhöht. Und da der Deich sich an einem Altarm befindet, ist die riesige Fläche dazwischen für Überschwemmungen reserviert. Im kleinen Örtchen Dieden kamen wir wieder an einer Reet-gedeckten Windmühle (Stella Polaris) vorbei, dabei fuhren wir fast immer auf dem Deich. Auch Ravenstein begrüßte uns mit einer Mühle (De Nijverheid), hierbei handelt es sich um eine Galerieholländermühle. An einem weiteren Altarm der Maas konnten wir eine große Herde dunkelbrauner Pferde mit schwarzer Mähne sowie eine Rinderherde in der Natur beobachten.

Pferdeherde

Nun fuhren wir auf eine gewaltige Maasbrücke zu, der John S. Thompson Brug, mit einem kleinen Denkmal davor. Die Sint-Elisabethkerk in Grave war immerhin durch den Eingang zu besichtigen. Auf dem Weg zum Historisch Stadhuis hatten wir uns etwas verloren, aber zum Glück doch wiedergefunden.
Auch der nächste sehenwerte Ort Katwijk begrüßte uns mit einer Windmühle (Molen van Linden), bevor wir im eigentlichen Ort die Lourdesgrotte besichtigten. Die davor liegende Sint-Martinuskerk war verschlossen. Nun war es nicht mehr weit bis zum heutigen Zielort Cuijk. Wir fuhren direkt zum Hotel (Taurus), da wir noch das Museum Ceuclum, das sich in einem Aussichtsturm befindet und um 16:30 Uhr schließt, besteigen wollten, was uns auch gelang. Die Räder durften wir in einen kleinen Saal schieben.

Cuijk, Maasblick

Man hat tatsächlich eine wunderbare Aussicht auf die Maas, den Hafen, aber auch über den Ort, den Friedhof und den daneben liegenden Skulpturenpark, aber vor allem auch auf die Sint-Martinuskerk, mit der man sich auf gleicher Höhe befindet. Als wir uns satt gesehen hatten, besuchten wir den Skulpturenpark, der 26 tolle, sehr unterschiedliche Skulpturen enthält. Kulturmäßig waren wir nun satt, dafür meldete sich ein anderer Hunger und wir starteten einen Rundgang mit Blick auf Restaurants. Doch da uns nichts Besonderes auffiel, betrachteten wir unser Hotel genauer: im Taurus gab es 140 verschiedene Biere, aber auch zu essen. Draußen war es uns schon etwas zu kühl, also haben wir bei bester Musik drinnen gegessen (z. B. Nasi und Bami Goreng), dazu leckeres gezapftes Bier.

Cuijk, Skulpturenpark Mühle Jan van Cuijk

Da alle noch Lust auf einen Verdauungsspaziergang hatten, gingen wir zur Mühle Jan van Cuijk, eine schöne Erdholländer-Windmühle, bei der nur die obere Kappe drehbar ist. Der Rückweg führte direkt an der Maas zurück, die ganze Zeit mit Blick auf die gewaltige Sint-Martinuskerk und das Ceuclum. Wir tranken (draußen) noch ein kleines Abschlussbier und konnten gut schlafen.

Mi. 19.8.26 (86 km Route)
Gennep, Oude Stadhuis Als wir in den Frühstücksraum traten, roch es total nach Bier. Aber die Nase gewöhnte sich daran und es wurde ein gutes Frühstück serviert. Ein Pärchen am Nachbartisch versuchte verzweifelt ein Taxi zu bekommen, doch selbst mit Hotelhilfe gelang das nicht. Für Cuijk lohnt einfach kein Taxi-Unternehmen. Für uns stand heute die Fahrt nach Venlo (ca. 85 km) an, dort würden wir auf Angelika treffen. Schon mitten im Ort ging's auf die Fähre, danach waren wir wieder rechtsmaasisch. Bis Gennep war noch leichter Nieselregen, hier war schöner Markt mit einem Oude Stadhuis, in dem jetzt der VVV ist, zu besichtigen. Über eine Brücke fuhren wir nun wieder auf die linke Maasseite. Nach einer längeren Maasauenfahrt erreichten wir Boxmeer, das uns mit einem Kasteel empfing. Mitten im Ort besuchten wir die Sint-Petrusbasiliek, eine hübsche dreischiffige Backsteinkirche. An einer schönen Stelle in der Natur nahmen wir unser zweites Frühstück ein, Otto ein gekochtes Ei mit Salzstreuer. Nun stand die Fähre Oud-Bergen an, auf der rechten Seite der Maas wurde zunächst der romanische Turm und dann die Sint-Petruskerk besucht, hier war aber nur ein seitlicher Blick möglich. Bevor wir nach Bosscherheide und seiner Schleuse am Nationalpark Maasduinen kamen, passierten wir noch ein großes, buntes Blumenfeld. Kasteel Well im nächsten Ort ist ein Internat mit Security, die uns aber alles sehr nett erklärten. Auf den Uitkiektoren Wellerlooi verzichteten wir angesichts der langen Etappe. Von der gegenüberliegenden Seite sah er doch recht eindrucksvoll aus.
Wir mussten nämlich wieder mit der Fähre Wellerlooi auf die linke Maasseite, wo man nun schon von weitem eine Windmühle in Betrieb sah. Sie wurde fast umrundet, fotografiert und gefilmt.

Windmühle in Betrieb Windmühle in Betrieb

Es folgte eine schöne Landschaftsfahrt mit einem Kasteel (Ooijen). In Brockhuizen kehrten wir ein. Mit der Fähre Brockhuizen überquerten wir dann ein weiteres Mal die Maas, doch hier mussten wir erkennen, dass das Einkehren ein Fehler war: hier ist die Brauerei Arcen, die das leckere Hertog-Jan-Bier braut. Und direkt gegenüber war ein wunderschönes Lokal, zu spät! Die anderen Sehenswürdigkeiten von Arcen rissen uns nicht vom Hocker, dafür folgte nun eine schöne Fahrt durch die Leeremarksche Heide. Kurz hinter Velden kamen wir wieder an die Maas und an der fuhren wir bis nach Venlo rein. Venlo kommt einem an der Maas sehr großstädtisch vor, viele Hochhäuser, Industrie und Büros. Nun als erstes zum Hotel (BnB Bruxelles). Geli war schon vor uns da, was für eine Wiedersehensfreude!

Venlo, im Bonaparte

Wir wollten gleich nach Beziehen der Zimmer etwas trinken, doch in unserem Hotel war Ruhetag, außerdem regnete es. So gingen wir gleich gegenüber ins Bonaparte und tranken ein Begrüßungs-Bier (Lindeboom, auch lecker). Das Lokal war ausgesprochen nett eingerichtet und die Speisekarte war auch gut, so bestellten wir gleich einen Tisch für das abendliche Dinner. Irgendwas musste noch im Hotel erledigt werden (ach ja: Duschen), dann gingen wir wieder an den gleichen Tisch und aßen sehr lecker (Swarte Kip, Suppe, Salat und Burger) bei immer noch starkem Regen. Dann war es aber endlich trocken und wir konnten noch einen Rundgang durch Venlo im Halbdunkel starten. Das große Stadhuis auf dem Markt, der Stadshaven (mit dem Friedlichen Krieger) und das Römerhuis wurden angeguckt. Ein Abstecher zum Monseigneur Nolensplein, Rosarium und Sint-Martinusbasiliek rundete das Ganze ab. Zum Abschluss gab es noch ein letztes letztes Bier gegenüber vom Hotel im Bonaparte, dann haben wir gut geschlafen.

Do. 20.8.26 (37 km Route)
Zum Geburtstag gab es ein wunderbares Geburtstagsfrühstück, das erste Frühstück zu viert!

Geburtstagsfrühstück

Michaela hatte gelesen, dass heute Vormittag noch ein besonderer Markt in Venlo wäre, gestern Abend hatten wir schon viele Tische vor den Geschäften gesehen. Da die heutige Etappe kurz war, gingen wir noch über den Markt und zum Hafen, dabei sahen wir das Römerhuis auch mal bei Tageslicht. Dann begleiteten wir Geli noch zum nahegelegenen Bahnhof (Fahrt nach Roermond). Unsere Etappe begann am Stadshaven, von dort an der Maas entlang bis zum Medaillon Venlo, einem ovalen, fast geschlossenen Gebäude. Schon hier bemerkten wir, dass heute extrem starker Südwestwind blies, der uns sogar diese kurze Etappe schwer machte. Von der Fähre Steyl-Baarlo hat man einen sehr guten Blick auf das etwas oberhalb liegende Sint-Michaelklooster. In Baarlo besuchten wir das Kasteel d'Erp, einem Wasserschloss mit Zugbrücke. Der Ort Kessel hatte noch mehr zu bieten: Kasteel Keverberg und Kirche Onze Lieve Vrouw Geboorte sowie Kasteel de Oeverberg (nicht zugänglich).

Kessel, Kasteel Keverberg

Kasteel Keverberg ist sowohl die älteste als auch modernste Burg der Niederlande. Burg und Kirche liegen auf einem Felsen oberhalb der Maas. Kessel wird verlassen über die Fähre Kessel-Beesel, dabei hat man noch mal einen schönen Blick auf Kessels Sehenswürdigkeiten. In Beesel besuchten wir das Kasteel Nieuwenbroeck, ein einfaches weißes Wasserschloss. In der Ortmitte am Markt kehrten wir auf ein Geburtstagsbier mit Blick auf eine Drachenskulptur ein, am Ortsende liegt die Windmühle De Grauwe Beer. In die Innenstadt von Roermond kamen wir sehr schön von Norden herein. Und auch hier gab es eine Überraschung: unser Hotel (De Pastorie) gehört zu einer Chocolaterie und es gab für jeden eine Begrüßungspraline.

Roermond, De Pastorie

Die Zimmer waren angenehm groß und besaßen eine Klimaanlage. Die Räder wurden auf der Außenterrasse des Geschäfts (und Lokals) abgestellt. Auf dem verabredeten Stadtrundgang mussten wir zuerst nur über den Hof gehen, denn hier steht der Rattenturm, ein ehemaliges Stadttor. Wenn man um die daneben liegende Sint-Christoffelkathedraal herum geht, steht man schon auf dem Markt mit großem Stadhuis, nur war der Markt wie in fast allen großen Städten wegen einer Veranstaltung gesperrt. Da es gerade regnen wollte, kehrten an der Marktecke ein, zum Draußensitzen war es aber zu windig und zu kühl. Es hörte auch bald wieder auf und wir gingen über die Brugstraat (Stenen Brug) zum schönen Stadhaven an der Roer (Rur), von der Brücke mit Sonnenschein ein überwältigender Anblick!

Roermond, Stadhuis Roermond, Blick von der Stenen Brug

Nun ging's weiter durch die Binnenstad zum Münsterplein, immer schon mit suchendem Blick nach einem Restaurant. Doch was war hier los: fast alle Restaurants hatten schon geschlossen, dabei war es doch erst zwischen 17 und 18 Uhr. Man muss dazu wissen, dass Roermond eine Einkaufs- und Outlet-Stadt ist. Und die meisten Besucher haben um diese Zeit die Stadt schon verlassen. Wir fanden aber am Markt ein sehr schönes Restaurant (Baristas). Hier aßen wir leckeren Fisch sowie Steak und Fritten. Dabei bekam ich von meinen beiden Mitradlern noch ein Geburtstagsgeschenk: ein Fahrrad-Modell sowie Pralinen aus unserer Chocolaterie. Unser Verdauungsspaziergang führte noch zum Stadspark, der aber leider schon geschlossen war. Nach diesen vielen Kilometern zu Fuß haben alle sehr gut geschlafen.

Fr. 21.8.26 (87 km Route)
Das Frühstück war gegenüber im Chocolaterie-Gebäude und ebenfalls prima. Geli verabschiedete uns vor der Haustür, denn wir hatten heute die längste Etappe der Tour vor uns, sie hatte entsprechend viel Zeit, um nach Masstricht zu kommen.
Wir fuhren erstmal ziemlich umständlich auf die Maasbrücke, deren Zufahrt praktisch neben unserer Unterkunft liegt. Auf der anderen Maasseite fuhren wir entlang eines Latraalkanaals für den Schiffsverkehr. Die Maas selber fließt hier noch in ihrer ursprünglichen mäandernden Form. Über eine Schleuse wird die Afgesneden Maas überquert. Schwimmende Häuser in Oolderhuuske ließen wir links liegen. Zwischen Linne und der Industriestadt Maasbracht liegt die Clauscentrale (ein RWE-Kraftwerk). Am südlichen Ende von Maasbracht liegt eine große Schleusenanlage mit drei Schleusen nebeneinander, über diese wird der Julianakanaal überquert. Hier ist auch noch mal eine interessante Aussicht auf Maasbracht. Ein richtig hübscher Ort ist dagegen Stevensweert dicht an der mäandernden Maas. Bastionen, ein sternförmiger Stadtplan, niedliche Häuser, ein Wandgemälde und ein Holzpferd zeichnen diesen Ort aus.

Stevensweert, Wandgemälde Hompesche Molen

Die Hompesche Molen mit einem davor liegen Aussichtspunkt auf die Mühle (mit Rahmen) sowie auf den Molenplas-See lud zum Verweilen ein. In Olé an Laak zog eine Hausbootsiedlung (mit Lurchi) unsere Blicke auf sich. In Roosteren besichtigten wir die Sint-Jacobus de Meerderekerk. Wobei uns nicht klar war, ob Meerdere Mörder oder Mertyrer heißt. Hinter Obbicht standen wir vor einem schönen Kasteel, Zugang war allerdings nicht möglich.

Kasteel Obbicht

In Oud-Urmond waren Schepperhuis und Sint-Martinuskerk die Sehenswürdigkeiten, überhaupt gab es auf dieser längsten Etappe viel anzugucken. Zum Glück war der gestrige Sturm wieder abgeflaut. Zwei Kasteels auf der anderen Kanalseite waren kaum sichtbar, weil sich hier schon die ersten Bergzüge auftaten. Aber in Geulle aan de Maas standen wir wieder vor einem typischen Wasserschloss, Kasteel Geulle. Ein richtiges Highlight wartete jedoch noch in Borgharen: Kasteel Borgharen, ein tolles Schloss mit Ähnlichkeit zum Schloss von Versailles.

Kasteel Borgharen

In Maastricht kamen wir zuerst am Bahnhof vorbei, dann ging's sogar ein Stück Maas-ab(!)wärts, eine schöne Einfahrt! Anschließend fuhren wir über die Servatiusbrücke mit einem Hubbrückenteil auf die Maasseite mit der Altstadt. Hier war es unglaublich voll, so umrundeten wir lieber die Fußgängerzone und fuhren dann zu unserem Hotel (De Theater) am Vrijthof. Der Vrijthof war natürlich gesperrt und eingezäunt, wahrscheinlich schon für das nächste André-Rieu-Konzert. In unserem Hotel hatte wohl noch nie jemand mit Fahrrad geschlafen, denn dafür war nichts vorgesehen. Doch zum Glück war der Vrijthof nur oben gesperrt, unter dem Platz befindet sich eine Tiefgarage für Autos (kostenpflichtig) und für Fahrräder (kostenfrei). Hier fanden die Räder gut Platz und konnten auch sicher angeschlossen werden.
Auf der Terrasse vor unserem Hotel sind wir dann auch erstmal eingekehrt und haben später auch dort gegessen (Fisch und Gnocchi), ein gemütliches Plätzchen, das noch schöner ist, wenn der Vrijthof nicht gesperrt ist. Nach dem Essen starteten wir einen ersten kleinen Rundgang mit Stadhuis und Maaspromenade.

Maastricht, Sint-Amorsplein

Über die Kneipenviertel Kneipenviertel Brugstraat, Sint-Amorsplein und Patielstraat (hier Aquise einer italienischen Mama) kehrten wir wieder zurück zum Hotel und tranken unser Abschlussbier. In den guten Zimmern nach hinten raus konnten wir sehr ruhig schlafen.

Sa. 22.8.26 (0 km)
Mit einem netten Frühstück begannen wir den Ruhetag. Anschließend trafen wir uns zu einem Rundgang, der uns zuerst zum nebenan liegenden Theater und zur historischen Post führte.

Maastricht, Theater

Nun gingen wir zur Dominikanerkirche, die nicht mehr als Kirche, sondern als Buchhandlung genutzt wird. Einzigartig in einem hochgotischen, dreischiffigen Kirchengebäude! Auf dem Marktplatz mit Stadhuis war heute tatsächlich Markt und Otto konnte ein wunderschönes Hertog-Jan-Schild erstehen.

Dominikanerkirche Stadhuis

Michaela hatte etwas von einer Bootstour bis zur belgischen Grenze gelesen. Am Hafen an der Maas fanden wir auch gleich den richtigen (einzigen) Veranstalter. Auf dem Boot sieht man zwar nicht so viel von Maastricht, dafür gab es einen ersten Blick auf die schöne Natur Richtung Belgien mit richtigen Bergen. Außerdem gab es Brand-Pils.

Bootstour auf der Maas Blick zur anderen Maasseite

Nach der Bootstour setzen wir unseren Rundgang fort: zuerst Onze-Lieve-Vrouwebasiliek, hier war eine Hochzeit, deshalb blieben wir lieber draußen. Die historische Bisschopsmolen konnten wir allerdings besichtigen und auch einen leckeren Vlaai erwerben. Dann ging's zur Stadtmauer mit Höllentor und Jekertoren, Denkmal De vijf Koppen mit Blick auf schöne Springbrunnen. Wegen eines Schauers mussten wir uns kurz unterstellen. Über das Jekerkwartier kamen wir zum nächsten Stadtmauerstück, bevor wir uns langsam wieder Richtung Vrijthof bewegten: die beiden großen Kirchen dort (Sint-Janskerk und Sint-Servaasbasiliek) bildeten das Ende des Rundgangs.

Stadtmauer Sint-Janskerk und Sint-Servaasbasiliek

Ziemlich erschöpft machten wir einen verspäteten Mittagsschlaf. Gut erholt machten Geli und ich noch einen Spaziergang zum anderen Maasufer. Dabei fiel uns das schöne Tourist-Info-Gabäude auf, das jetzt im Sonnenschein strahlte. Der Skylineblick vom anderen Ufer offenbarte, dass in Maastricht die Kirchen immer noch die höchsten Gebäude sind. Um 18 Uhr hatten wir uns bei dem italienischem Familienbetrieb verabredet. Draußen war nichts mehr frei. Im tiefgekühlten Innenraum probierten wir die hausgemachten Nudeln (Spahetti, Lasagne), es war aber nichts besonderes, dafür aber teuer. In unseren bereits zerwühlten Betten konnten wir aber wieder gut schlafen.

So. 23.8.26 (35 km Route)
Trotz des hohen Zimmerpreises mussten wir noch 100 € nachzahlen (Frühstück und Steuern). Wir holten unsere Räder aus der Tiefgarage, verabschiedeten Geli, die sich zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof machte, und begaben uns auf die letzte Etappe nach Liège. Die Fahrt ging erstmals in die Berge: hinter Fort Sint Pietersberg (ca. 90 m hoch) erreichten wir am Rand des Tagebaus eines großen Kalksteinbruchs erstmals über 100 Höhenmeter.

Fort Sint Pietersberg

Fort Sint Pietersberg ist ein Fort, wie man es sich vorstellt, mit Bastionen und Kasematten. Der Kalksteinbruch ist ein riesiges Gelände bis hinunter zur Maas. Es gibt mehrere Aussichtspunkte, darunter auch einen Skywalk.

Kalksteinbruch Michaela und Otto auf dem Skywalk

Der Weg hinunter zur Maas enthielt sogar zwei Serpentinen. Praktisch den ganzen Rest bis Liège fuhren wir an oder dicht bei der Maas, dabei kam zunächst an einer unscheinbaren Stelle der Grenzübertritt. Vom rechten Maasufer konnten wir sehen, dass sich die Kalksteinberge bis weit nach Belgien hinein erstrecken. An einem Flusshafen machten wir unsere erste Rast (ohne Ei). In Visé fuhren wir über eine Fahrradbrücke, die einen sehr schönen Jachthafen (Port de plaisance) überspannt.

Grenze nach Belgien Port de plaisance

Ca. 15 Kilometer vor Liège wechselten wir vom Maasufer zum Kanalufer (Canal Albert), die beiden Wasserstraßen kommen später wieder zusammen. Das Problem war nur, dass der Canal Albert über die Pont de Hermalle überquert werden sollte, doch die Brücke war gesperrt. Nun, heute war Sonntag, der Bauzaun halb offen und der Sicherheitsbeauftragte wurde nicht gefragt: wir fuhren drüber (ohne Probleme). Am Rand von Liège wechselten wir noch mal auf die andere Maasseite (hier: La Meuse) und fuhren dann auf der Uferpromenade bis zu einer Fahrrad-/Fußgängerbrücke, die in Richtung unseres Hotels führte. Geli war dort auch gerade erst angekommen. Wir besichtigten erstmal dieses bautechnisch interessante Gebäude – wahrscheinlich ein historischer Industrie-Standort – und verabredeten uns für den Stadtrundgang.
Dieser führte uns dann zuerst zum Place Saint-Lambert, der vom Palais des Princes-Évêques (Fürstbischöflicher Palast) beherrscht wird. Man konnte heute nicht nur den Innenhof, sondern wegen einer Ausstellungseröffnung auch einen großen Palastteil besichtigen.

Liège, Palais des Princes-Évêques

Schräg gegenüber liegt das Hotel de Ville (Rathaus), eher unscheinbar. Jetzt erwartete uns eine besondere Leckerei: das Une Gaufrette Saperlipopette mit Lütticher Waffeln. Diese Stärkung kam gerade recht für eine besondere Sehehenswürdigkeit: die Montagne de Bueren, eine lange Freitreppe mit 374 Stufen. Am Rand der oben liegenden Zitadelle gibt es mehrere Aussichtspunkte mit schönem Blick auf die Stadt.

Montagne de Bueren Montagne de Bueren

Wir stiegen natürlich hinauf und auch wieder herunter. Am Place Saint-Barthélemy vor der Collégiale Saint-Barthélemy (Stiftskirche) ruhten wir uns erstmal aus, gingen dann um das Palais Curtius herum hinunter zur Meuse, an der wir zurück zur Innenstadt gingen. Dabei trafen wir einen, der das Göttinger Tageblatt unter dem Arm hatte. Er war tatsächlich Göttinger, aus Bayern zugewandert.
Mit Restaurants sah es in dieser Gegend nicht so gut aus, deshalb gingen wir zurück zum Place Saint-Lambert, an dem es eine ganze Reihe Restaurants gab. Wir entschieden uns für einen Italiener, bei dem es z. B. Spaghetti, aber auch Köfte gab. In unserem Hotel tranken wir dann das Abschlussbier, nicht ohne dass ich vorher noch einen Abstecher zur Cathédrale Saint-Paul im Halbdunkel machte. Das Schlafen vor einer Zugfahrt ist schwierig, ging aber, da sie ja in Belgien beginnt.

Mo. 24.8.26 (3 km Route und Fahrt vom Bahnhof Paderborn)
Auch in Belgien gab es für uns ein sehr gutes Frühstück. Dann wurden die Räder aus dem Innenhof geholt und bepackt. Angelika hatte sich ein Taxi bestellt und fuhr schon vor uns los zum Bahnhof Liège-Guillemins.

Liège, Skyline

Wir hatten sehr schöne Radstrecke auf der anderen Meuse-Seite zu diesem eindrucksvollen futuristischen Bahnhof und auch noch genügend Zeit für tolle Fotos.

Liège-Guillemins Liège-Guillemins

Unser belgischer Zug nach Aachen kam natürlich pünktlich und fuhr mit uns durch eine sehr hügelige Landschaft mit etlichen Tunneln. In Aachen hatten wir eine halbe Stunde Zeit zum Umsteigen. Kurz vor Abfahrt unseres Zuges kam es zu einer Gleisverlegung: "Wir bitten um Entschuldigung." Doch obwohl es ab Köln eine Umleitung über die linke Rheinseite und dann duch das ganze Ruhrgebiet gab, kamen wir pünktlich in Hamm an. Hier war eigentlich genügend Zeit, den stark verspäteten RE nach Kassel-Wilhelmshöhe noch zu bekommen. Doch ausgerechnet der Fahrstuhl zu unserem Gleis verweigerte immer wieder den Dienst, so dass es doch noch brenzlich wurde und wir das letzte E-Bike die Treppe hochtrugen. Als Belohnung haben wir von Hamm bis Paderborn gestanden. In Paderborn funktionierten der Fahrstühle zwar, trotzdem benötigten wir fast eine halbe Stunde, um auf Ausgangsniveau zu kommen. Michaela und Otto lieferten uns dann noch zu Hause ab, bevor sie sich auf die für heute längste Strecke zu ihrem Zuhause machten.

Fazit:
Die Maas-Route trägt den Titel "Europaradweg" zu Recht, denn die Maas fließt jeweils zu langen Teilen durch Frankreich, Belgien und die Niederlande. Wir genossen vor allem den niederländischen Teil. Beeindruckend ist hier vor allem die Architektur der kleinsten oder schmalsten Häuser, immer viel Wasser (Flüsse, Kanäle und Häfen), das mitreißende Treiben in den großen Städten, allen voran Rotterdam, die guten Radwege und die unzähligen und sehr unterschiedlichen Kasteels. Auch Liège war sehr beeindruckend und besitzt außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten. Wenn man auch zumindest in diesem Teil von Belgien den Eindruck hat, dass er deutlich ärmer als die Niederlande ist. Auf insgesamt 565,26 Fahrrad-Kilometern haben wir viele tolle Eindrücke gesammelt.

Liège-Guillemins


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